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Hochschule München · Fakultät 11

Angewandte Pflegewissenschaft (B.Sc.)

Hilfe finden

Cannabis – Prävention & Aufklärung

Klar, sachlich, nicht belehrend.

Stand: · Kein Ersatz für ärztliche Beratung.

Akut‑Wirkungen

u.a. Herzfrequenz↑, Blutdruck↑, Koordination↓, Angst/Panik [1,2] · Mehr

Risiken

v. a. bei häufigem/hoch‑THC‑Konsum: Psychosen‑Risiko, Abhängigkeit [3–5] · Mehr

Fahren

THC‑Grenzwert: 3,5 ng/ml Blutserum; Mischkonsum strenger sanktioniert [6–8] · Zu §/Regeln

Bayern

Kein Kiffen auf Volksfesten & Biergarten‑Außenflächen; Kommunen dürfen Verbotszonen festlegen [9,10] · Details

Was ist Cannabis?

„Cannabis“ umfasst Marihuana (Blüten) & Haschisch (Harz). Hauptwirkstoff: THC; nicht‑berauschend: CBD [11].

  • Konsumformen: Rauchen, Vapen, Edibles – Dosierung & Wirkung stark variierend [11].
  • Hoher THC‑Gehalt & geringe CBD‑Anteile erhöhen das Risiko für Angst/Psychosen [2,11].

Siehe auch: Safer‑Use · Quellen [11]

Risiken (v. a. jung/hoch‑THC)
  • Psychische Gesundheit: erhöhtes Risiko für Psychosen, Angst/Depression bei häufigem Konsum [3,5].
  • Kognition/Leistung: Aufmerksamkeits‑ & Gedächtnisprobleme kurz‑ & längerfristig [3].
  • Abhängigkeit: ca. 1 von 10 Erwachsenen entwickelt eine Störung; Risiko ↑ bei frühem & häufigem Konsum [3,4].
  • Somatisch: Herzfrequenz/Blutdruck ↑ direkt nach Konsum; kardiovaskuläre Risiken v. a. bei häufigem Konsum [1,12].

Weiter: Mythen & Fakten · Selbstcheck · Hilfe finden

Safer‑Use (realistisch)
  • Kein Fahren/Radeln/Maschinen nach Konsum (auch am Folgetag vorsichtig!).
  • Kein Mischkonsum (Alkohol, Benzos, Stimulanzien).
  • Bei Edibles: „Low & Slow“ – klein anfangen, 2–3 h abwarten.
  • Regelmäßige Konsumpausen einplanen; reflektiere Motive & Muster.
  • Niemals fahren: 3,5 ng/ml THC ist schnell erreicht; bei Mischkonsum härtere Strafen [6–8].

Siehe auch: Recht · Hilfe & Beratung

Zahlen & Trends (Europa/DE)
  • Europa: 8,4 % der Erwachsenen (15–64) nutzten Cannabis im letzten Jahr; 1,5 % täglich/fast täglich [20].
  • Junge Menschen: 15–34 J. ca. 15 % im letzten Jahr; 15–24 J. 18,6 % (letzte Erhebung) [4].
  • THC‑Gehalt: Harz Ø 24,8 % THC (2022), höher als Kraut (Ø 10,1 %) [4].
  • Behandlung: ~36 % aller Erstaufnahmen in EU‑Drogenhilfe wegen Cannabis (2022) [4].
  • Deutschland: In Notaufnahmen waren 2021 in 17 % der Fälle Cannabis involviert [4].

Mehr Daten: Quellen [4,20] · Recht

Selbstcheck: CUDIT‑R (8 Fragen, anonym)

Wissenschaftlich validierter Kurztest – Ergebnis nur lokal berechnet. Ergebnis deuten

1) Wie oft hast du in den letzten 6 Monaten Cannabis konsumiert?
2) Wie häufig hast du mehr konsumiert als beabsichtigt?
3) Wie oft fiel es dir schwer, den Konsum zu stoppen, wenn du einmal angefangen hattest?
4) Wie oft hattest du nach dem Konsum Probleme (z. B. Kreislauf, Angst, Streit)?
5) Wie oft hast du Pflichten vernachlässigt (Uni/Job/Haushalt) wegen des Konsums?
6) Haben Freund*innen/Familie/Beratung deinen Konsum kritisch angesprochen?
7) Hast du Aktivitäten aufgegeben (Sport/Soziales), weil du konsumiert hast?
8) Wie häufig hattest du starke Verlangen/Cravings nach Cannabis?
Ergebnis

Gesamtpunkte: 0 / 32

Basis: CUDIT‑R (Adamson et al., 2010). Auswertung: 0–7 niedrig, 8–11 erhöht, ≥12 Hinweise auf Störung. Quelle siehe Quellen [17].

Handlungsplan (nach CUDIT‑R/ASSIST)
  1. CUDIT‑R ausfüllen → Score prüfen [17].
  2. Bei 8–11: Kurzberatung (telefonisch/online), Konsumziele setzen, zweiwöchige Pause testen [18].
  3. Bei ≥12: ärztliche/psychosoziale Hilfe in Anspruch nehmen; Start bei Hilfe in Bayern.
  4. Begleitend: LRCUG‑Empfehlungen berücksichtigen (kein Mischkonsum, niedrigere THC‑Potenz, nicht inhalieren etc.) [19].
Lower‑Risk Cannabis Use Guidelines (LRCUG)
  1. Beste Wahl: nicht konsumieren [19].
  2. Später beginnen: Konsum nicht vor dem Erwachsenenalter (18–21) [19,3].
  3. Seltener & weniger: täglicher/täglicher Konsum ↑ Risiken – Pausen einplanen [19].
  4. Wähle niedrigere THC‑Potenz und eher Produkte mit mehr CBD [19].
  5. Kein Tabak‑Mischkonsum (zusätzliche Abhängigkeit/Herz‑Lungen‑Risiken) [19].
  6. Nicht tief inhalieren & Atem anhalten – Rauch meiden, Reizungen reduzieren [19].
  7. Kein Fahren für mind. ~6 h; nach hoch‑THC/Edibles länger. Beachte zusätzlich den dt. Grenzwert 3,5 ng/ml [19,6–8]. → Recht
  8. Meide Risiko‑Situationen: Schwangerschaft/Stillzeit, psychotische Erkrankungen in der Familie, kardiovaskuläre Risiken [19,3].
  9. Keine synthetischen Cannabinoide (unberechenbare Toxizität) [19].
  10. Set & Setting: nur in sicheren Umgebungen mit vertrauten Personen [19].

Empfehlungen nach den LRCUG. Ergänzende Evidenz: CUDIT‑R & WHO‑ASSIST.

Was hilft – wirksam (Evidenz)
  • Motivational Interviewing / MET: reduziert Nutzungstage vs. Kontrollgruppen; gut geeignet für Kurzinterventionen [21,20].
  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT/CBT): verringert Konsummenge & Abhängigkeitsschwere; in Kombination oft stärker [21].
  • Contingency Management (Belohnung für Abstinenz): erhöht Abstinenzraten, v. a. mit KVT/MET kombiniert [21].
  • Digitale Programme: niedrigschwellig, erste Hilfe; Evidenz wächst, Qualität heterogen [20].

Nächste Schritte: Selbstcheck (CUDIT‑R) · Beratung finden · LRCUG‑Tipps

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Recht – Deutschland & Bayern (Kurzfassung)

Deutschland (KCanG/CanG)

  • Ab 18 J.: Besitz bis 25 g in der Öffentlichkeit, 50 g zuhause; bis zu 3 Pflanzen Eigenanbau [14,15].
  • Verbot öffentl. Konsum: in/ in Sichtweite (100 m) von Schulen, Kitas, Spielplätzen, Sportstätten; in Fußgängerzonen 7–20 Uhr; nie in Sichtweite von Anbauvereinigungen (100 m) [14].
  • Anbauvereinigungen (Clubs) zulässig (ab 1.7.2024, Details & Auflagen siehe BMG‑FAQ) [15].
  • Fahren: gesetzl. Grenzwert 3,5 ng/ml THC im Blutserum; strengere Regeln für Mischkonsum & Fahranfänger [6–8].

Siehe auch: Safer‑Use · Hilfe · Quellen [6–8,14,15]

Besonderheiten in Bayern

  • Bayerisches Cannabisfolgenbegrenzungsgesetz (seit 01.08.2024): Verbot des Rauchens/Vapens von Cannabis auf Volksfestgeländen und auf Außenflächen von Gaststätten (z. B. Biergärten). Gemeinden dürfen weitere Verbotszonen festlegen [9].
  • Bußgelder bis 1.500 € (bis 5.000 € im Wiederholungsfall) möglich [9].
  • Gerichte prüfen Einzelfälle: pauschale Verbote können unzulässig sein (BayVGH zum Englischen Garten, 29.07.2025) [10].
  • Polizei Bayern informiert zum CanG/KCanG und Vollzugspraxis online [16].

Mehr: Hilfe vor Ort · Quellen [9,10,16]

Hinweise

Diese Kurzfassung ersetzt keine Rechtsberatung. Beachte zusätzlich lokale Verordnungen (z. B. Festival‑/Garten‑Regeln) und Hausordnungen. „Sichtweite“ ist im Gesetz mit 100 m definiert.

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Hilfe & Beratung in Bayern

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Mythen & Fakten

„Edibles sind sicherer als Rauchen.“
Nicht unbedingt: weniger Atemwegsreizung, aber häufiger Überdosierung & längere Wirkung. Kardiovaskuläre Risiken bleiben [1]. Siehe Safer‑Use
„Von Cannabis wird man nicht abhängig.“
Doch: v. a. bei frühem/regelmäßigen Konsum. Frühhilfe wirkt besser als „Abwarten“ [3,4]. Hilfe suchen
„Kiffen im Biergarten ist überall erlaubt.“
In Bayern verboten (Außenflächen von Gaststätten) – plus mögliche kommunale Verbotszonen [9]. Zu Bayern‑Regeln

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Projektpartner

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Quellen & weiterführende Infos

  1. AHA/JAHA 2024: Jeffers AM et al. Association of Cannabis Use With Cardiovascular Outcomes, JAHA 2024. Link
  2. WHO: Cannabis – health and social effects / acute effects. Link
  3. WHO 2016: The health and social effects of nonmedical cannabis use. PDF
  4. EUDA 2024: Cannabis – the current situation in Europe (European Drug Report 2024). Link
  5. RCSI 2024: Cannabis use in young people… PDF
  6. Bundesrat 2024: Cannabis im Straßenverkehr (3,5 ng/ml THC). Link
  7. ADAC 2024: Neuer THC‑Grenzwert – was gilt? Link
  8. Haufe 2024: THC‑Grenzwert im Straßenverkehr. Link
  9. GVBl Bayern 2024: Bay. Cannabisfolgenbegrenzungsgesetz. Link
  10. LTO 2025: Kein rigides Cannabis‑Verbot im Englischen Garten (BayVGH, 29.07.2025). Link
  11. BZgA/BIÖG: cannabispraevention.de – Jugendliche/Eltern/Fachkräfte. Link
  12. Cheung CP et al. 2024: Acute Effects of Cannabis Inhalation on Arterial Stiffness… JAHA 2024. Link
  13. drugcom.de – Jugendinfos & Risiken. Link
  14. BGBl I 2024 Nr. 109: CanG & KCanG. PDF · Gesetze‑im‑Internet: § 5 KCanG
  15. BMG FAQ: Fragen und Antworten zum Cannabisgesetz. Link
  16. Polizei Bayern/LKA: Informationen zum Cannabisgesetz. Link
  17. CUDIT‑R (Adamson SJ et al., 2010): An improved brief measure of cannabis misuse. PubMed · CUDIT‑R + Scoring (PDF)
  18. WHO ASSIST V3.0: Manual for Use in Primary Care. PDF
  19. LRCUG: Lower‑Risk Cannabis Use Guidelines (Fischer B et al., AJPH 2017). Paper · Kurzfassung (PDF)
  20. EUDA 2025: Cannabis – the current situation in Europe (European Drug Report 2025). Link
  21. Cochrane 2016: Psychosoziale Interventionen bei Cannabisstörung (Gates PJ et al.). Cochrane · PMC‑Artikel

Hinweis: Screening ersetzt keine Diagnose. Rechtsstand: .

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